Unikümer

Wer in irgendeiner Weise anders ist als andere und als Barfußgeher ist man das ja nun alleine schon aufgrund der „enormen Verbreitung“ doch irgendwie, der wird sich in Berlin wohlfühlen. Nichts wäre so schräg und so außerhalb der Norm, dass es dem Berliner auch nur eine hochgezogene Augenbraue wert ist, so sagt man. Reinhard Mey hat diese Vielzahl von Unikümern in „Zwischen Kiez und Kudamm“ wunderbar besungen.

So verließ ich dann auch gedankenlos und unbekümmert meine kleine Wohnung im eh nochmal besonders multikultigen Neukölln um ein paar Dinge des tägliches Bedarfs einzukaufen. Hin- und Rückweg zusammen gerade mal ein Kilometer. Dabei war das einzig etwas Unangenehme der noch überall auf den Gehwegen liegende Splitt als Streumittel nach dem kürzlichen Wintereinbruch, aber meine Füße hatten erstaunlich wenig Probleme damit.

Schon beim Rewe an der Kasse wurde in der Schlange an der Kasse mein Vordermann auf meine Barfüßigkeit aufmerksam, goutierte sie aber durchaus positiv. Auf dem Rückweg nachhause, mitten im Wuhling eines Verkehrsknotenpunkts hörte ich dann von einem jungen, durchaus freakig wirkenden Mann so sinngemäß „Mensch Junge, keene Schuhe, paß bloß uff mit de janzen Scherben“ In dem Moment hatte ich aber eher Sorge, dass mir jemand auf die Füße tritt, denn obwohl Neukölln wahrlich nicht der reinlichste Stadtteil ist, liegen auch dort nicht überall Scherben herum. Dafür habe ich nämlich schon einigermaßen einen Blick.

An der nächsten Ampelkreuzung wurde dann eine „Dame“ mittleren Alters auf mich aufmerksam, die sich bis dahin schon lautstark mit einem Bekannten mit Migrationshintergrund unterhielt. „Kiek mal, der hat keene Schuhe an, der is verrückt“, ihr Bekannter glotzte und während ich an der Ampel die Straßenseite verwechselte, wiederholte sie das „Der is verrückt“ nocheinmal lautstark und ihr Bekannter glotze immer noch.

Ich mußte innerlich lachen, auf gerade mal 1.000 m war meine Barfüßigkeit dreimal Thema, dass schafft nicht einmal Oldenburg. Was sagt uns das? Um in Berlin aufzufallen nützt es nichts als Punker, Grufti, in Lack und Leder oder bunt tätowiert rumzulaufen, nein, es reicht einzig und alleine als „Normalo“ barfuß unterwegs zu sein 😀

Tja, so komme ich doch tatsächlich in den Genuß in Berlin aufzufallen, wer hätte das gedacht? Dabei gibts doch nirgends soviele Unikümer wie zwischen Kiez und Kudamm 😆

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8 Kommentare zu “Unikümer

  1. Liebes Unikum,
    bald wirst du in Berlin in „deinem“ Viertel ebenso bekannt sein, wie schon in Oldenburg und als „der Mann ohne Schuhe“ in die Geschichte eingehen! 😉
    Schon lustig, dass Schuhfreiheit solche Aufmerksamkeit erregt. Aber sieh es positiv – so sparst du dir Lack und Leder! 😛 Mich hat bisher bei meinen Spaziergängen noch kaum jemand darauf angesprochen. Naja, kann ja noch kommen! 😀

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  2. Hallo,Volker !
    Interessanter Bericht aus Berlin. Ich kann mir das gut vorstellen. In Leder oder als Manga oder was auch immer bist Du ja schon „Normalo“ in der Hautstadt, aber als Barfüsser …..
    Werde Ostern mal Cuxhaven barfüssig aufrollen (wenn meine bessere Hälfte nicht protestiert).
    Gruss vom
    Michael.

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    • Moin Michael,

      ich fands witzig, hätte ich gar nicht so mit gerechnet 🙂

      Ich rolle gerade Sylt barfüssig auf. Gestern zwei Stunden bei zwar nur 1°, aber herrlichem Sonnenschein, in Begleitung meiner besseren Hälfte und meiner Ma. Die gewöhnen sich langsam dran 🙂

      Ich wünsche jetzt schon einmal eine schöne Zeit in Cuxhaven und viel Erfolg gegenüber Deiner besseren Hälfte 🙂

      Sonnig kalte Grüße von der Insel
      Volker

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