Beneidenswert?

Wer seinen Alltag barfuß bestreitet sollte nach Möglichkeit ein halbwegs kommunikativer Mensch sein. Neben den vielen Blicken erntet man auch regelmäßig Ansprache. Der Spitzenreiter in der Gesprächshitliste ist mit weitem Abstand die Frage, ob ich keine Angst vor Scherben hätte. Dann folgt zur entsprechenden Jahreszeit die Frage „Ist Ihnen nicht kalt?“ und danach kommen die Hundehaufen.

Weiter geht es, vorallem von älteren Menschen, mit „Als Kinder sind wir auch nur barfuß gelaufen“ und auch gerne mitgeteilt: „Zuhause und im Garten laufe ich auch gerne barfuß“. Die Aufzählung läßt sich fortsetzen und im Regelfall laße ich mich auch gerne auf einen kurzen Wortwechsel ein.

Neulich sprach mich ein Kollege von meiner besseren Hälfte auf das Wieso, Weshalb, Warum meiner Barfußlauferei an. Nach meiner üblichen Erklärerei sagte er mir dann, er würde das gerne selber so machen, aber er käme sich einfach blöd vor barfuß in Geschäfte zu gehen usw.. Ein nicht zu unterschätzender Punkt, den ich nur zu gut verstehen kann, brauchte es doch auch bei mir zu Anfang jede Menge Mut und auch nach zwei Jahren Barfußerfahrung stelle ich mir oft noch die Frage, ob ich nicht in dieser oder jener Situation besser etwas an die Füße ziehen sollte. Soweit so bekannt.

Allerdings kam mir durch das Gespräch mit dem jungen Mann erstmals der Gedanke, dass mich die Leute nicht ausnahmslos für einen Freak oder durchgeknallt halten könnten, sondern dass es durchaus auch welche gibt, die mich beneiden. Die gerne genauso auf freien Füßen unterwegs wären, sich es aber wegen der gesellschaftlichen Konventionen nicht trauen. Ein schöner Gedanke, der mich noch einmal mit noch etwas geraderen Rücken barfuß durch die Welt laufen läßt. Komisch, dass mir dieser Gedanke nicht schon früher in den Sinn gekommen ist.

Sollten irgendwelche Zweifler das hier aus Zufall lesen, ich kann nur sagen „Machen“, Ihr werdet es nicht bereuen und ihr wisst nicht was ihr verpaßt 🙂

 

6 Kommentare zu “Beneidenswert?

  1. Lieber beneidenswerter Volker,

    obwohl ich nur sehr selten barfuss unterwegs bin, ist es mir gerade bei Spaziergängen im Wald schon mal passiert, dass mich jemand darum beneidet hat. Warum diese Dame, an die ich jetzt denke, daraufhin ihre Schuhe noch angelassen hat, konnte und kann ich allerdings nicht verstehen. Den Denkanstoß hätte ich ihr ja gegeben. 😉
    Ich glaube ja das „Beneiden“ in deinem Fall richtet sich mehr an das trauen gegen die allgemeine Konvention zu verstoßen. 😀 Auf jeden Fall bringst du die Leute zum nachdenken – finde ich super! 😀

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    • Liebe ebenso beneidenswerte Doris,

      der Gedanke selbst die Schuhe auszuziehen war für die Dame trotz des Neides wohl immer noch zu abwegig 🙂

      Klar zielt das „Beneiden“ auf das sich trauen. Schließlich ist das Barfußgehen ja nichts unerreichbares, jeder kann es. Aber ich kann die Hemmungen auch sehr gut verstehen und auch nicht jeder hat beruflich und privat soviel Freiheiten wie ich sie z. B. habe.

      Liebe Grüße
      Volker

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  2. Hi,Volker !
    Oft bedarf es wirklich eines tiefen Durchatmens, bevor man barfuss in ein Geschäft geht – obwohl ja eigentlich fast nie „etwas“ passiert (ausser dass ich´mal aus einem spanischen Supermarkt fast rausgeflogen wäre, aber nicht in Deutschland). Trotzdem kommt man sich immer etwas freakig vor, dabei bin ich alles andere als ein freak. Aber die Idee, dass viele, die einem hinterherblicken, vielleicht neidisch sind, ist gut. Das werde ich mir mal immer wieder bewusst machen.
    Viele Grüsse vom
    Michael.

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    • Moin Michael,
      meistens spare ich mir inzwischen das tiefe Durchatmen, aber es ist auch immer noch eine Sache der Tagesform. Nach meinem Rausschmiss aus dem Netto in Berlin gehe ich halt nur nicht mehr in Nettomärkte 😛

      Ich halte mich auch nicht für einen Freak, obwohl bei mir auch noch Glatze und Tattoos dazukommen. Grundsätzlich sollen die Leute eben denken was sie wollen, aber wenn der ein oder andere vielleicht sogar neidisch ist hat das doch auch was, oder? 😀

      Liebe Grüße aus Berlin
      Volker

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  3. völlig richtig !
    Ein Freund, nicht Barfussläufer, hat mir gesagt, es solle einem doch völlig egal sein, was die Anderen denken. Meistens sieht man die Leute nur kurz uns sieht sie nie wieder.
    Nettes Ereignis gestern Abend im Wald (hat mit der Sache nicht direkt ´was zu tun): Ich war mit dem Hund unterwegs, habe den örtlichen Jäger getroffen. „Ui, barfuss! Keine Angst vor Zecken ?“ (er hatte dicke Gummistiefel an !) . Im Gespräch musste er zugeben, dass sich die Viecher ohnehin von oben fallen lassen und fand barfuss völlig ok, eher sogar tough.
    Schönen Abend wünscht
    Michael.

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    • Lieber Michael,

      Zecken an den Füßen wären auch ungewöhnlich, zudem würden sie ja beim täglichen Füßewaschen auch gleich auffallen. Meines Wissens ist es aber falsch, dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, sondern man streift sie sich von hohem Gras ab oder sie krabbeln zu einem wenn man auf einer Wiese liegt.

      Viele Grüße von meiner Barfußrückreise im ICE zwischen Berlin und Hannover
      Volker

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