Noch mehr Freiheit für die Füße

Ich finde ich sollte auf diesem Blog mal etwas über Corona schreiben. Schließlich hört, sieht und liest man von dem Thema sonst so quasi gar nichts 😛

Was aber hat nun der verheißungsvolle Titel mit dem Virus zu tun? Nüschte, wenn da nicht die veränderten Umstände auf der Arbeit wären. Auch ich darf jetzt im wöchentlichen Wechsel homeofficen. Klar, dass ich in meiner Zuhause-Woche nichts an den Füßen haben. Das ist zwar im Büro im Prinzip auch nicht viel anders, schließlich habe ich ja das große Glück, dass meine Barfüßigkeit im Büro toleriert wird, aber in dieser Corona-Zeit kann ich da noch einen draufsetzen. Unser Gebäude ist für den Publikumsverkehr geschlossen und es befindet sich kaum die halbe Mannschaft im Haus. So kann ich gänzlich ungeniert auch außerhalb meines Büros immer und überall barfuß rumrennen und meine, von mir so getauften, „Anstandslatschen“ fristen ein gar trauriges Schicksal.

Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich würde liebend gerne wieder „den Anstand wahren“, wenn dieser Scheiß nur endlich wieder vorbei wäre. Aber so nehme ich diese letzte Stückchen Freiheit für die Füße halt auch noch mit, es ist ja auch keinem damit geholfen, wenn ich es nicht täte 😉

 

Ich komm da einfach nicht mehr mit

Neulich bei einem sonntäglichen, längeren Lauf mit Freunden: Ich trabe in meinen Aborigen-Sandalen mit meinen Leuten durch das flache Friesland. Das Tempo ist geruhsam und in keinster Weise eine Herausforderung. Bis auf, ja bis auf kurze Etappen, in denen wir mal ins Gehen verfielen, da kam ich dann nicht mehr mit. Während die belaufschuhte Fraktion zügig vor sich hin maschierte, blieb ich mit meinen Leichtsandalen zurück und fiel dann wieder in den leichten Trab um aufzuschließen.

Dieses „Phänomen“ begegnet mir auch im Alltag. Dort in der Regel barfuß unterwegs, kann ich meistens meinen Begleitern nicht folgen, wenn wir zielgerichtet irgendwohin maschieren.

Bei einem Stadtbummel kann ich allerdings gut mithalten 😀

Früher, also zu jener Zeit, als ich noch in Schuhen durchs Leben lief, hatte ich dieses „Problem“ nicht. Mit meinen langen Beinen war ich häufig der schnellsten Einer und gelegentlich durfte ich mir von meiner besseren Hälfte ein „Renn nicht so!“ anhören. Nun enteilt mir aber selbst mein Göttergatte. Woran liegt`s? Die Minimalsten und Barfußläufer werden es schon ahnen, es liegt an der Gangart. Über den Ballen laufend macht man halt nich so riesige Schritte als wenn man im Stechschritt die Fersen in den Untergrund rammt. Diese behutsamere Art der Fortbewegung, gelegentlich auch noch gepaart mit dem Austarieren schlechter Untergründe, sorgt für ein bescheideneres Tempo.

Lange Rede, kurzer Sinn: Barfußlaufen entschleunigt, zumindestens bei mir! Was ja in unseren hektischen Zeiten auch nicht zu verachten ist 🙂

Frage an meinen barfüßigen Mitleser: Geht Euch das auch so?

Eine erhebliche Gefahr für sich und andere

Dieser Winter meint es bis dato gut mit uns Barfüßern. Die Temperaturen liegen vielfach deutlich im Plusbereich und auch Salz und sonstiges Streugut kam zumindestens in meiner Oldenburger Heimat noch nicht zum Einsatz. Wenn überhaupt etwas stört ist es diese leidige, nasskalte Witterung, die einfach nicht schön ist, nicht nur an den Füßen.

Während ich also meinem winterlichen Barfußalltag nachgehe und die üblichen Reaktionen der Mitmenschen erlebe, erinnere ich immer wieder mal einer meiner frühreren beruflichen Tätigkeiten. Vor einigen Jahren hatte ich es hauptverantwortlich mit der Unterbringung psychisch kranker Menschen zu tun, wenn von ihnen – so formuliert es das Gesetz – gegenwärtig ein erhebliche Gefahr für sich und andere ausgeht.  War dies der Fall war, verfügte ich, gestützt auf ein ärztliches Gutachten, eine vorläufige Zwangseinweisung in die Psychatrie. Über eine längerfristige Unterbringung entschied anschließend ein Richter.

Worauf ich dabei hinaus möchte: Seinerzeit wurde einmal von der Polizei ein junger Mann auf die Wache gebracht, weil Passanten meldeten, dass er im Winter bei um die 4°C verwirrt umherlief und das barfuß! Das oben beschriebene Verfahren kam in Gang. Als begutachtender Arzt kam niemand geringeres als der Leiter des hiesigen Gesundheitsamtes hinzu und dieser sah die Voraussetzungen für Unterbringung nicht erfüllt, da der junge Mann in seinem Auftreten nicht aggressiv war, auch nicht unbedingt auf die Straße vor Autos zu laufen drohte und sich wegen seiner Barfüßigkeit, wenn überhaupt, lediglich einen Schnupfen holen würde. So sah er weder für den Mann selber noch für andere eine Gefahr. Die anwesenden Polizisten und ich waren fassungslos, wie kann man einen Menschen u. a. bei solchen Temperaturen barfuß rumrennen lassen. Der Leiter des Gesundheitsamtes meinte daraufhin nur trocken, dass die Situation bei -4°C ggf. anders zu bewerten wäre, aber so könne er keine entsprechende Stellungnahme abgeben. Sprachs und verschwand, wie anschließend der junge Mann auch, der wieder seiner verwirrten Wege ziehen durfte.

Ich fand die Einstellung des Arztes unverantwortlich. Aus heutiger Sicht muß ich allerdings doch sehr darüber schmunzeln, dass ich neben seinen anderen Auffälligkeiten eine Unterbringung des Mannes auch wegen seiner Barfüßigkeit befürwortet hätte, wie gesagt als Teilaspekt eines Gesamtbildes. Aber im Winter barfuß herumzulaufen ohne sich dabei den Tod zu holen, entzog sich schlicht und ergreifend meiner damaligen Vorstellungskraft.

An dieses Erlebnis muß ich also immer mal wieder denken, wenn mir die Leute zu dieser Jahreszeit auf die Füße starren und ich dabei offensichtlich das Glück habe, einen nicht allzu verwirrten Eindruck zu machen. Wenigstens hat mich die Polizei bisher noch nie eingefangen und das ist auch gut so, wer weiß schließlich, ob ich dann auch auf so einen abgeklärten Arzt treffen würde 😆

 

 

 

 

Bowlingbotten

Am Sonntag war ich als Anhängsel meines GöGa mit auf eine Weihnachtsfeier eingeladen. Als Auftakt zu dieser Veranstaltung wurde gebowlt. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal diesem Sport gefröhnt hatte, auf jeden Fall muß ich da noch in den zarten Zwanzigern gewesen sein. Gut erinnern kann ich mich aber noch daran, dass man sich so fiese Bowlingschuhe anziehen mußte, um den Bahnbereich betreten zu dürfen. Daran hat sich in den letzten dreißig Jahren auch nichts geändert 😦

Dem weihnachtsfeierlichen Anlaß entsprechend hatte ich auch schon meine schicksten Barfußschuhe an den Füßen und ich mochte im Bowlingcenter auch nicht fragen, ob barfuß nicht schonend genug für die Bodenbeläge wäre. Deshalb ließ ich mir auch notgedrungen so ein Paar von diesen Botten aushändigen. Meine sonst übliche Schuhgröße 42 war dann auch noch zu klein und ich konnte gleich noch einmal tauschen. Immerhin hatte ich daran gedacht mir Socken mitzunehmen. Der Gedanke Schuhe anziehen zu müssen, die schon unzählige Leute vor mir angehabt hatten, behagt mir heute genauso wenig wie damals, Desinfektionsspray hin oder her.

Es ist schon etwas irrational, dass ich barfuß nahezu keinen Lebensbereich scheue, da kratzen mich ja weder die Berliner U-Bahn noch die meisten öffentlichen Toiletten, aber diese Schuhe für mich eigentlich gar nicht gehen. Und dann sind es ja schließlich auch noch Schuhe. Die Dinger vom Sonntag waren zwar nicht ganz so karstig wie ich sie noch aus den Achtzigern oder Neunzigern in Erinnerung hatte, aber von bequem oder gar atmungsaktiv konnte nich ansatzweise die Rede sein.

Bowling1

So drückte der Schuh im wahrsten Sinne des Wortes und als ich diese Bowlingbotten nach eineinhalb Stunden erleicherte von den Füßen nehmen durfte, zeugten die Socken schon von dem tropischen Klima darin, uuuuaaaaahhhhhh! 😯

Das Restaurant, das wir anschließend aufgesucht hatten, war dann zum Glück nicht so ein piekfeiner Laden und ich konnte nach kurzer Zeit unterm Tisch auch die Barfußschuhe ausziehen. Was für ein Fest ❗ Das haben natürlich doch einige gesehen und es wurde noch zu einem durchweg positiven Thema 🙂

Aber noch einmal kurz zurück zu den Bowlingbotten. Davon abgsehen, dass es „Gemeinschaftsschuhe“ waren, hatte ich in den letzten drei Jahren nicht einmal so festes Schuhwerk getragen und es ist für mich einfach nicht mehr vorstellbar, wie man es den ganzen Tag in so etwas aushalten kann. Wenn es bei mir auch immer mal wieder Situationen gibt, in denen das eigene Ego dazu neigt, vor den gesellschaftlichen Konventionen einzuknicken, sind es solche Erlebnisse, die mich dann doch wieder den Rücken gerade machen lassen. Geht es meinen Füßen gut, geht es auch mir gut und alleine das ist gut.