Barfuß auf dem Fest der Toleranz

Gestern fand der CSD Nordwest in Oldenburg statt. Dazu habe ich hier etwas ausführlicher gepostet. Was mir in diesem Jahr über das Wichtige des CSD hinaus aufgefallen ist, dass offensichtlich einige die Demonstration für Toleronz und Akzeptanz und die Veranstaltungen drumherum auch für ein Barfuß-Statement genutzt haben.

Auf jeden Fall habe ich in den Jahren zuvor und generell noch nie so viele Menschen barfuß gesehen. Da hielt es mich auch nicht mehr lange in den Schuhen, die ich anfangs noch aus Angst vor allzu vielen Scherben an den Füßen hatte. Zum Glück blieb diese Sorge auch weitestgehend unbegründet.

Irgendwie ist es schon schön, zu sehen, dass man offensichtlich doch nicht ganz alleine in der Stadt ist. So setzt der CSD ganz nebenbei noch andere Zeichen ❗ 🙂

Aber auch der schönste Tag auf nackten Sohlen geht irgendwann zu Ende und so ging es dann irgendwann auch wieder nach Hause 🙂

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Ich wünschte, dass ich öfters mal ein paar mehr Mitmenschen ohne Schuhe sehen würde 😎

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Ekelig!?

Neulich auf einer Gartenparty bei einer lieben Freundin:

Wenn nicht auf einer zwanglosen Gartenparty wo denn dann kann man ganz unbedarft barfuß auftauchen? Zumal der Gästekreis überschaubar und allesamt bekannt war. Trotzdem fällt barfuß natürlich auf und war auch ein Thema. Alle fandens auch cool und „gesund soll es ja auch sein“ 😛

Garten

 

Bis auf eine Bekannte und entfernte Kollegin von mir. Die findet barfuß einfach ekelig. Zum einem mag sie selber, bis auf höchstens mal in der Wohnung, nicht barfuß sein, zum anderen findet sich den Anblick von barfüssigen Menschen (z. B. in der Fußgängerzone) einfach eklig.

Nun habe ich mir bis zu der Zeit, ab der ich selber am liebsten barfuß bin, nie Gedanken für bare Füße gemacht. Man sah und sieht ja auch fast nie barfüßige Menschen. Aber wenn habe ich es eher mit Erstaunen, Verwunderung oder im höchsten Fall mit etwas Befremdung wahrgenommen. Aber Ekel? Sicher gibt es Menschen, die nackte Füße zur Schau stellen, die das lieber nicht täten. Aber das gilt für andere Körperregionen. Krampfaderige Beine in kurzen Hosen oder Cellulite im Minirock sind auch kein schöner Anblick. Aber im Normalfall sind Füße doch nichts anderes als ein Körperteil wie Arme, Beine und Hände. Was bitte schön ist an Füßen ekelig? Grenzt das schon an eine gestörte Körperwahrnehmung oder liegt es an der weit verbreiteten Vorstellung von stinkenden Schweißfüßen, die ja aber nur dadurch entstehen, dass sie in Schuhen vor sich hin dunsten, oder der allgemeinen Angst vor Unhygiene, weil der Fuß nunmal als einziges Körperteil direkten Kontakt mit dieser Erde, auf der wir alle leben, hat?

Was auch immer ihre Gründe und sicher die vieler anderer auch sind, nachvollziehbar sind sie für mich nicht. Aber wie in nahezu allen anderen Lebensbereichen auch, abgelehnt wird was fremd und scheinbar sonderbar ist, wobei Ekel schon eine heftige Reaktion ist.

Auf meine Frage, ob sie denn mit meinen nackten Füßen lebe könne, antworte sie, dass sie einfach nicht hinschauen würde. Gut für sie, ich hatte nämlich auch gar keine Schuhe dabei 😆

Übrigens ich ekel mich vor Senf, auch nicht normal. Aber das ist eine ganz andere Geschichte :mrgreen:

 

 

 

Sauberes Bielefeld

Am vergangenen Wochenende war ich in Bielefeld um am Hermannslauf teilzunehmen. Ein Lauffreund nahm mich in seinem Auto mit. Nachdem dieses geparkt war, ging es aus dem Parkhaus in eine fast gegenüberliegende Schule zur Startnummernausgabe. Nach einem kurzen Bummel über die Läufermesse im Schulinnenhof machte ich mich dann auf, quer durch die Bielefelder Fußgängerzone, zum Hotel.

Dabei fiel mir schon auf, dass die Fußgängerzone als solche und auch die Pflasterung sehr sauber wirkten. Nach Ankunft im Hotel, auf dem Zimmer, durfte ich feststellen, dass meine Fußsohlen blitzsauber waren. Auch wenn ich insgesamt weniger als einen Kilometer unterwegs war, hatte ich noch nie so saubere Fußsohlen nach einem Barfußaufenthalt draußen.

Somit verleihe ich Bielefelde den Titel „Vorbildliche Barfußstadt“! Zumal ich dort ja auch in keinem Netto-Markt gewesen bin 😆

 

 

Berlin barfuß

„Dann geh doch zu Netto“, so tönt seit gefühlt ewiger Zeit die nervige Radioreklame besagten Discounters. Aber bitte nicht barfuß. Als ich nach Ankunft in Berlin erst einmal die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen wollte, wurde ich aus „hygienschen Gründen“ aus dem Netto-Markt hinauskomplimentiert. Auch mein Argument, dass ich den Laden gar nicht so schmutzig finden würde, ließ der Mitarbeiter nicht gelten :mrgreen: Da er mich auch den Einkauf nicht beenden lassen wollte, drückte ich ihm die Tüte Milch in die Hand und ging. Dabei hatte ich lediglich beim vorherigen Einkauf bei REWE Milch und Eier vergessen und wollte diese Dinge eben noch bei Netto holen. Bei REWE hatte ich vorher sogar ein nettes Gespräch mit einer Verkäuferin über meine Barfüßigkeit. Dort war es (wie schon öfters zuvor) kein Problem.

Dieses Erlebnis schreckte mich aber nicht, denn ich traf mich an diesem verlängerten Wochenende mit Frank und Carsten. Auf die beiden bin ich in den Weiten des Internets gestoßen, weil sie genau so gern barfuß unterwegs sind wie ich. Frank, der Ur-Berliner, und Carsten aus Hamburg, der extra angereist war, kannten sich schon. Die Barfußwelt ist klein 🙂

Zu dritt machten wir Mitte und Kreuzberg auf nackten Sohlen unsicher. Für mich war es eine große Freude erstmals mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein und trotz teils mäßigen Wetters hatten wir mächtig viel Spaß.

An der Baustelle des Stadtschloßes besuchten wir die Humboldt-Box und machten uns in der Berliner Geschichte kundig. Unglaublich freundliche, kompetente und aufgeschlossene ehrenamtliche Mitarbeiter suchten das Gespräch. Eine ältere Dame nahm den Faden aus unserer Unterhaltung auf und gab Erläuterungen zur Geschichte des Stadtschloßes und der Preußischen Könige. Natürlich war auch kurz unsere Barfüßigkeit ein Thema, sehr freundlich und interessiert.

Aber die ein Stockwerk höher gelegenen Ausstellung des Humboldt-Forums „Die Welt hören“ mußten wir dann wegen unserer nackten Füße wieder verlassen. Diskussionen mit der Dame ersparten wir uns, wir hatten diese Ausstellung sowieso nur auf den Weg zur Dachterasse durchquert.

Das war aber auch die letzte negative Erfahrung des Wochenendes. Auf unseren Wegen durch Kreuzberg und am nächsten Tag durch Neukölln besuchten wir das Café „Kuchenkaiser“, die Restaurantkneipe „Henne“ und einen Inder, alles kein Problem.

Es war herrlich so unbeschwert barfuß unterwegs zu sein. Egal ob draußen, drinnen oder in der U-Bahn. Die Fußsohlen zeugten von vielen Stadtkilometern 😆

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Neben dem nahezu komplett unbeschuhten Wochenende war es klasse mit den beiden unkomplizierten Jungs Freundschaft geschlossen zu haben. Auch auf der Rückreise nach Oldenburg mit der Bahn verzichtete ich auf Fußbekleidung. Als ich im Hauptbahnhof auf den Zug wartete konnte das ein junger Verkäufer der Obdachlosenzeitung einfach nicht fassen und bot mir zweimal seine neuwertigen Schuhe an. Eine nette Geste von jemanden, der kaum selber etwas hat.

Barfuß in der Hauptstadt, ein langes Wochenende mit vielen, teils sehr unterschiedlichen Eindrücken und jeder Menge Spaß. Frank, Carsten und ich werden sicher nicht das letzte Mal gemeinsam auf Achse gewesen sein.

 

 

Prima Klima

Nun ist er wohl entgültig Geschichte, der Winter 2017/2018. Hier im Nordwesten war er ausgesprochen regnerisch, insgesamt mäßig kalt, schneearm, mangels Sonne sehr dunkel und vor allen Dingen laaaaang.

Die, die sich aber am wenigsten an der Länge dieses Winters gestört haben, waren meine Füße. Wann immer es ging von Schuhwerk und vorallem Socken befreit, haben sie sich in den vergangenen Monaten ausgesprochen wohlgefühlt. Kalte Füße im Winter? Im Vergleich zu all den vorangegangenen Jahren nahezu Fehlanzeige. Das Weniger bis Gar nichts an den Füßen war auf jeden Fall ein Mehr.

In den ganzen Jahren zuvor hatte ich nämlich ein Problem, das sich mir erst nach diesem Winter so richtig erklärt. Steckten die Füße in festen Schuhen und Socken wurde ihnen erst warm, dann haben sie geschwitzt und die Socken wurden feucht bis naß. Was sich wenig deklikat anhört, sorgte dann vorallem für eins: Für kalte Füße. Der Schweiß tat das, was er eigentlich auch soll, kühlen. Aber einmal feucht/naß wurden die Füße eben kalt und das blieben sie dann auch. Häufig bekam ich die Füße erst durch Waschen mit heißem Wasser wieder warm. Das geht zuhause, aber im Job und unterwegs war Leiden angesagt. Barfuß zuhause, barfuß im Büro hingegen sorgte für das perfekte Klima an den Füßen. Selbst die Sorge, dass mir im Winter Fliesenböden zu kalt sein könnten, blieb unbegründet.

Allerdings hält man sich während des Winters ja nicht ausschließlich in Behausungen auf. Wie war es draußen? Richtig lange war ich im Winter eher selten barfuß draußen. Aber sämtliche alltäglichen Wege rund ums Haus wurden ausschließlich barfuß erledigt. Genauso wie die Fahrt zu Arbeit und der Gang ins Büro. Automobil bin ich nur und ausschließlich barfuß unterwegs. Supermärkte, Bäcker, die Post wurden in der Regel barfuß aufgesucht, das Auto wurde etliche Male barfuß vom Eis befreit. Der Weihnachtsmarkt wurde zwei Mal sockenlos in Barfußschuhen besucht, perfektes Fußklima, wie ich es noch nie erlebt hatte, inklusive.

Schnee gab es nur sehr wenig, drei Tage im Dezember, das wars. Erfahrungen konnte ich da kaum sammeln. Ein Morgen ist mir in bester Erinnerung, als ich durch den Pulverschnee zum Auto ging und vom Auto zum Bürogebäude. Das war toll und die Fassungslosigkeit eines Kollegen, der gleichzeitig mit mir ankam, unbezahlbar 😆

Ist also alles nur schön im Barfußwinter? Nicht ganz. Trockene Kälte ist wunderbar auszuhalten, kurze Wege durch strömenden Regen herrlich erfrischend. Aber was einfach unangenehm ist, ist naßkaltes Wetter und allzu kalter Wind. Naßkaltes Wetter und damit einhergehende feuchte Untergründe kühlen die Füße sehr schnell aus, ebenso wie eisige Winde. Da hatte ich auch mal auf nur knapp zwei Kilometern bei 3° eiskalte Füße.

Fazit dieses ersten Winters: Es ging erheblich besser als erwartet. Die meisten Beschränkungen der Fußfreiheit waren weniger den Temperaturen und der Witterung als viel mehr, wie bereits erwähnt, der Traute geschuldet. Bis auf einen grippalen Infekt, den aber fast die ganze Republik hatte, war ich auch nicht häufiger krank. Entgegen der öfters mal geäußerten Besorgnis hatten weder Blase noch Nieren irgendwelche Probleme mit nackten Füßen. Warum auch, sie sind ja weit weg von der immer warm gehalten Körpermitte 🙂 Sprich, der nächste Winter kann kommen. Nichtsdestotrotz möge er sich aber bitte viel, viel Zeit damit lassen 😀

 

Märzwinter auf Sylt

Nach Anreise teilweise im Schneesturm und Sandsturm auf Sylt (Impressionen gibt dazu gibt es hier und hier auf meinem Laufblog) beruhigte sich das Wetter und gestern konnten wir eine erste Wanderung um die Südspitze der Insel unternehmen. Da sich der extrem kalte Ostwind komplett gelegt hatte, störten die gerade mal ein, zwei Grad genauso wenig wie die letzten Schnee- und Eisreste und es ließ sich nach der einstündigen Umrundung des Inselendes sogar ein kleines Sonnenbad genießen und nach zwei Stunden waren wir zurück in unserer Ferienwohnung.

Heute ging es barfuß durch ein Kaufhaus, den Bahlsen-Outlet und Lidl. Meine Ma und mein Göga gucken inzwischen nicht mehr anders dabei aus. Sie witzelten sogar, dass ich zu meiner abendlichen Laufrunde Schuhe angezogen habe (wenn auch nur die Zehenbarfußschuhe). Schöne, freie Fußwelt! 😀

Unikümer

Wer in irgendeiner Weise anders ist als andere und als Barfußgeher ist man das ja nun alleine schon aufgrund der „enormen Verbreitung“ doch irgendwie, der wird sich in Berlin wohlfühlen. Nichts wäre so schräg und so außerhalb der Norm, dass es dem Berliner auch nur eine hochgezogene Augenbraue wert ist, so sagt man. Reinhard Mey hat diese Vielzahl von Unikümern in „Zwischen Kiez und Kudamm“ wunderbar besungen.

So verließ ich dann auch gedankenlos und unbekümmert meine kleine Wohnung im eh nochmal besonders multikultigen Neukölln um ein paar Dinge des tägliches Bedarfs einzukaufen. Hin- und Rückweg zusammen gerade mal ein Kilometer. Dabei war das einzig etwas Unangenehme der noch überall auf den Gehwegen liegende Splitt als Streumittel nach dem kürzlichen Wintereinbruch, aber meine Füße hatten erstaunlich wenig Probleme damit.

Schon beim Rewe an der Kasse wurde in der Schlange an der Kasse mein Vordermann auf meine Barfüßigkeit aufmerksam, goutierte sie aber durchaus positiv. Auf dem Rückweg nachhause, mitten im Wuhling eines Verkehrsknotenpunkts hörte ich dann von einem jungen, durchaus freakig wirkenden Mann so sinngemäß „Mensch Junge, keene Schuhe, paß bloß uff mit de janzen Scherben“ In dem Moment hatte ich aber eher Sorge, dass mir jemand auf die Füße tritt, denn obwohl Neukölln wahrlich nicht der reinlichste Stadtteil ist, liegen auch dort nicht überall Scherben herum. Dafür habe ich nämlich schon einigermaßen einen Blick.

An der nächsten Ampelkreuzung wurde dann eine „Dame“ mittleren Alters auf mich aufmerksam, die sich bis dahin schon lautstark mit einem Bekannten mit Migrationshintergrund unterhielt. „Kiek mal, der hat keene Schuhe an, der is verrückt“, ihr Bekannter glotzte und während ich an der Ampel die Straßenseite verwechselte, wiederholte sie das „Der is verrückt“ nocheinmal lautstark und ihr Bekannter glotze immer noch.

Ich mußte innerlich lachen, auf gerade mal 1.000 m war meine Barfüßigkeit dreimal Thema, dass schafft nicht einmal Oldenburg. Was sagt uns das? Um in Berlin aufzufallen nützt es nichts als Punker, Grufti, in Lack und Leder oder bunt tätowiert rumzulaufen, nein, es reicht einzig und alleine als „Normalo“ barfuß unterwegs zu sein 😀

Tja, so komme ich doch tatsächlich in den Genuß in Berlin aufzufallen, wer hätte das gedacht? Dabei gibts doch nirgends soviele Unikümer wie zwischen Kiez und Kudamm 😆